Das Beste ist: Auf Sand gebaut

Sonnensand

Worte wie Hiebe.
Schlag auf Schlag im Abtausch,
Zwei, die glauben, einer wird gewinnen.
Am Strand zwischen Angeschwemmtsein und Untergehen
Haben sie Mauern aus Sand gebaut.
Jedes Wort klopft die Barrieren fester.
Der Sturm fegt darüber hinweg.
Jede Annäherung zwingt das Gegenüber auf die Zinnen,
Um das siedende Pech der Ironie hinab zu schütten.
Niemand gewinnt.
Wen die Sonne am Morgen blendet,
Der wirft abends dem Anderen seine Schatten vor die Füße.
Das Ende ist schleichend.
Wenn die Flut kommt und die Mauern einebnet,
Könnten wir uns erinnern:
Alles ist gleich.
Aber wir brauchen unsere Bollwerke.
Wie sollten wir sonst hinabsehen
Auf alles, was ist, und uns dadurch größer fühlen?

Auf dem Weg zur Sommersonnenwende

Irgendwann einmal habe ich an diesem Tag auf Kreta auf einem weißen Berg gehockt und in die Sonne geblinzelt. Der Kalender sagt, dass das zehn Jahre her ist. Ich kann das nicht glauben.
Etwas mehr als 3650 Tage, und sie sind in dem Meeresblau, das unter mir an den Strand rauschte, nicht mehr als ein Tropfen. Wenn im Leben jede Sekunde zählt, hätte man hier eine Menge aufzulisten. Eine Menge Bruchteile des Meeres, nur unter einem Mikroskop erkennbar. Und doch so ansteckend und tödlich, diese Viren aus Zeitfragmenten. Wir fragen uns, wo die Zeit geblieben ist, immer wieder. Dabei wissen wir nicht einmal, wo sie hergekommen sein könnte. Fängt Zeit nicht erst für den an zu existieren, der eine Uhr lesen kann?
Wir sollten Kinder um ihr Nicht-Wissen beneiden.
In Gedanken kehre ich zurück, kann die Sonne auf der Haut fühlen und rieche das Meer, dessen Atem salzig in die Luft steigt. In Gedanken kann ich überall hin zurückkehren; selbst dorthin, wo ich nie gewesen bin und wo ich nie sein werde. Treppauf und treppab geht es mit dem Denken, bis ich ganz oben und ganz unten vor verschlossenen Türen stehe.
Wann habe ich die Erinnerung an das Kind verloren, das in der Freiheit lebte, bevor es nach einem Hammer griff, um sich aus Bevormundung, Beeinflussung und allem anderen, das als Erziehung bezeichnet wird, die Gitterstäbe des eigenen Gefängnisses zu schmieden? Gitter aus Glauben und Aberglauben, aus Meinungen und Wissen, das sich nie selbst genügt. Jede Antwort erzeugt neue Fragen, die wie ein parasitäres Geflecht in unserem Geist wuchern.
Ich schließe die Augen und erkenne, dass oben und unten ein und derselbe Ort sind, der sich nur durch eine scheinbar wechselnde Perspektive ändert. Tür ist Tür. Die außen kann ich nicht durchdringen, sie scheinen zu einer anderen Welt zu gehören. Damit sind sie nicht meine Angelegenheit.
Meine Angelegenheit ist die Welt im Inneren. Türen, Tore, Mauern, Gräben, Labyrinthe. Alles Eigenkreationen. Was bleibt übrig, wenn man das durchdringt, überwindet und entschlüsselt? Wohin kehren wir heim, wenn wir mit leeren Händen nach unseren Wanderungen durch das Nirgendwo wieder dort stehen, von wo wir aufgebrochen sind?
Auf dem Berg glitzert die Sonne. Ab dem folgenden Tag werden die hellen Stunden wieder weniger. Alles kehrt sich um und wendet sich gegen seinen Ursprung. Immer wieder. In diesem Wechsel bleibt sich alles stets gleich.
Über die Wellen hüpfen Lichtpunkte. Das Salz steigt mir in die Nase. Die Luft macht mich betrunken durch ihre Reinheit. In diesen Minuten um die Mittagszeit gibt es nirgends Schatten. Zu viel Licht.
Wenn ich das nicht aushalten kann, werden sich die Türen nicht wieder öffnen.

Wie fremd

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Wie fremd mir die Vertrautheit war.
So fremd, wie einem aus allen Wolken fallendem Tropfen
Die ungestüme Reise in den Stromschnellen ist
Oder die Geborgenheit im Meer.
Entdeckung ist eine Reise
Bei der ich mich finden lassen kann.
Hat man mich entlarvt,
Bin ich der Schmetterling, den die Blüten erwarten.
Die Tage zählen nicht.
Nicht ein Einziger.
Ich bin es, der die Tage zählt.
Viel zu viele.
Und ich komme doch zu keinem Ergebnis.
Vergilbte Kalenderblätter mit verblassten Daten.
Ich raschle im Herbstlaub der Erinnerungen.
Wie fremd sind wir uns,
Wenn die Vertrautheit des Sommers geht.
Nur weil die Sonne ihre Bahn am Himmel erweitert.

Das richtige Tun

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Es geht nicht darum, das Richtige zu tun. Richtig und falsch sind angelernte Konzepte von Anderen, die es gut meinten, letzten Endes aber nicht besser wussten.
Worum es geht ist, deine Wahrheit zu leben.

Du bist nur

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Du bist nur
Mein Gedanke über dich.
Ich denke: groß
Und schaue zu dir auf.
Bei klein -
Übersehe ich dich irgendwann.
Wenn ich denke, du bist schön,
Strahlst du mir wie die Sonne ins Gesicht.
Dem Hässlichen kehre ich den Rücken.
Ob du dumm bist oder schlau
Nett oder verschlossen
Fleißig oder faul,
Ob ich dich mag oder nicht -
Du bist nur
Mein Gedanke über dich.

Solange ich danach frage wer du bist
Werden die Antworten uns immer trennen.

Herz im Stundenglas

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Pulverisiert rieselt die Zeit durchs Stundenglas.
Die Atome der Sekunden
Fallen aus der Zukunft in die Vergangenheit.
Die engste Stelle ist das Jetzt,
Darum liegen wir fast immer daneben.
Wenn das Morgen bereits wieder leergelaufen ist,
Klammern wir immer noch am Gestern.
Mitternacht stellt die Zeit auf den Kopf
Und es geht weiter.
Statt zu begreifen, dass Zeit in alle Richtungen fließt
Halten wir jeden Wendepunkt für die Quelle.
Es beginnt nicht immer wieder neu.
Wir sind von Anfang an mittendrin.
Der Unterschied besteht darin,
Dass wir mit geschlossenen Augen mehr zu sehen glauben
Als mit offenem Herzen.

Gedankenosterspaziergang

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Früher war weniger mehr. Das lässt sich leicht sagen und um so schwerer beweisen. Unsere Erinnerungen sind nicht einmal für uns selbst nachprüfbar, wenn wir ehrlich sind. Damit bietet jeder Hinweis auf die sogenannte gute alte Zeit lediglich einen sentimentalen Fingerzeig, der meist nicht einmal über die eigene Fingerspitze hinausgeht.
Irgendwann bleibt das Reifwerden zurück, während das Altwerden mit nachlassender Munterkeit weitergeht. Die Blüte des eigene Lebens welkt und wer oder was auch immer danach eine Ernte einfordert – haben wir nicht selbst das Wachstum der Früchte in unserem Leben gefördert, bleiben die Körbe leer.
Zu behaupten, früher war es besser, sagt nichts anderes, als dass man irgendeinem vergangenen Stadium der Reifung den Vorzug gibt. Was aber ist besser? Die Knospe oder die Blüte, die junge Frucht oder die alte? Alles hat seine Zeit. Ohne den Sprössling wird keine Knospe werden und ohne die Motivation der Frucht, in deren schützender Hülle die nächste Generation behütet wird, kann die Blüte nicht all ihr duftendes Können ausspielen, um bestäubt zu werden.
Dass früher an Ostern weniger mehr war, ist nur ein Empfinden. Tatsächlich kann ich mich an kaum ein Osterfest erinnern und daran, was sich ereignete. Es sind pauschale Erinnerungen aus miteinander verketteten Bildern, die zusammengehören oder nicht. Wenn immer mehr Jahre sich überlagen, geschieht das auch mit den Bildern, die wir in ungeordneten Alben mit uns durchs Leben tragen.
Die Erinnerungen an Ostern fühlen sich an wie der Duft von frischem Gras, in dem noch der Saft des Frühlings steckt. Bunt präsentierten sich darin die Blumen des wiedererwachenden Jahres und bunt versteckten sich die gefärbten Eier. Damals wurde das selbst gemacht. Daran kann ich mich erinnern. Gekochte Eier und die dazugehörigen Farben. Später wurden die farbigen Ostereier mit Speck abgerieben, um wie lackiert zu wirken. Macht das heute noch jemand?
Inzwischen gehört es zu den Binsenweisheiten, dass Gewinn oft nichts mit gesundem Wachstum zu tun hat und das einst viel gepriesene »Think big!« häufig von Kleingeistern benutzt wird, um die eigenen Defizite zu kaschieren.
Sein-Lassen bedeutet auch, jeden nach seinen Vorlieben glücklich sein zu lassen. Wer gern mehr und immer mehr haben will, weil er glaubt sich damit glücklich zu fühlen, soll jagen und sammeln so viel er will. Dazu gehört auch das Anhäufen von immer mehr Wissen. Die wachsende Masse verfügbarer Informationen macht nicht weise. Und Wahrheit entsteht nicht, indem das, was man dafür hält, wie ein Mantra immer und immer wiederholt wird.
Das Potenzial des Vergessens hingegen liegt unter anderem in der darin enthaltenden Chance zum Neubeginn. Vergesslichkeit macht Erleichterung spürbar.
Manche behaupten, in dem was wir fühlen steckt mehr Wahrheit als in unseren Gedanken. Der Verstand bringt sich um sich selbst, wenn man ihm zu viel Raum und damit Gelegenheit gibt.
An dieser Stelle will ich es sein lassen und jedem selbstüberlassen, wo er sein Gleichgewicht findet zwischen Denken und Fühlen, Information und Empathie, zwischen Soll und Haben.

Ostersprüche

- Was braucht es Meer, wenn alles im Fluss ist?
- Jede Begegnung, die über ein erstes Erschrecken hinausgeht, kann bedeutsam sein.
- Freundschaft ist wie ein Kreis. Solange man sich darin befindet, spielt auch die größte Entfernung voneinander keine Rolle. Denn überall, wo man sich trifft, ist der Mittelpunkt.

Letzten Endes

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Es ist nicht das
Auf Biegen und Brechen.
Es ist das Kommen und Gehen,
Das die Lebendigkeit ausmacht.
Den Boden aufzubrechen für Pflanzung und Saat
Macht nur Sinn im Wandel der Jahreszeit.
Wie schnell wir auch rennen,
Um die Zeit zu verfolgen,
Die uns schneller verlorengeht als wir gewinnen können:
Zu uns kommt, was uns entspricht.
Letzten Endes.